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12.09.2017 Volksstimme

Königstransfer Türpitz

Neuzugang Philip Türpitz entwickelt sich beim Drittligisten 1. FC Magdeburg immer mehr zum Königstransfer.

Magdeburg l In sieben Ligapartien erzielte der 26-Jährige vier Tore und verbuchte fünf Vorlagen. Der eigentliche Königstransfer Andreas Ludwig sitzt dagegen momentan nur auf der Bank.

Wieder einmal war es Türpitz, der den FCM in Führung brachte. Das 1:0 gegen Rostock war der Nachweis, über wie viel Selbstvertrauen der Offensivspieler momentan verfügt. Nach einer richtig guten Vorarbeit von Michel Niemeyer, der die Lücke in der Hansa-Abwehr sah, nahm Türpitz den Ball an und donnerte ihn unter die Latte. „Ich habe den Ball optimal getroffen. Man muss dabei aber auch die sensationelle Vorarbeit von Michel sehen“, betonte Türpitz.

Schon jetzt besser als in Chemnitz

Der Spieler mit der Rückennummer 8 sagte, dass das Team momentan einen Lauf, aber auch das notwendige Glück hat. Einen Lauf hat auch Türpitz. Mit vier Toren und fünf Vorlagen nach sieben Ligaspielen hat er schon jetzt eine bessere Bilanz als in der gesamten vergangenen Saison in Chemnitz (32 Spiele/drei Tore/fünf Vorlagen). Andreas Ludwig, der zu Saisonbeginn aus der holländischen Ersten Liga aus Utrecht kam und als Königstransfer gehandelt wurde, saß im Rostock-Spiel überraschend erneut nur auf der Bank und kam gar nicht zum Einsatz.

Türpitz hingegen hat voll eingeschlagen und ist schnell zum Publikumsliebling geworden. Seine große Stärke ist die Flexibilität in der Offensive. Gegen Rostock startete er im 3-4-3-System auf der rechten Seite neben Christian Beck. Zwischenzeitlich ging er in die Spitze, ließ sich zurückfallen oder wechselte auf die linke Seite, auf der zuvor Tobias Schwede auflief. Zudem hat er das von Trainer Jens Härtel geforderte Defensivspiel schätzen gelernt. „Das war eine Umstellung für mich“, sagte er schon vor Wochen. „Ich hätte nie gedacht, dass mir Defensivarbeit so viel Spaß machen würde.“

Türpitz geht enorme Laufwege und reibt sich im Verlauf einer Partie entsprechend auf. In der 78. Minute wurde er am Sonnabend ausgewechselt, für ihn kam Florian Pick. „Diesmal habe ich die Belastung deutlich gespürt und lieber etwas gesagt. Der Trainer hat mich dann schnell rausgenommen. Ich habe bei einem Lauf auf der linken Seite Krämpfe bekommen“, sagte Türpitz.

Unverzichtbare Größe

Der gebürtige Laupheimer ist innerhalb weniger Wochen zur unverzichtbaren Größe im FCM-Spiel geworden. Dabei saß er zum Saisonauftakt in Groß- aspach noch auf der Bank, wurde eingewechselt und war beim 1:4 am Ehrentreffer beteiligt. Gegen Erfurt lief er für den verletzten Felix Lohkemper von Beginn an auf und bot beim 3:0 als zweite Sturmspitze eine sensationelle Partie mit zwei Treffern und einer Vorlage. Nur in Meppen und in Münster blieb Türpitz bisher ohne Scorerpunkt, in allen anderen fünf Saisonpartien traf er entweder oder bereitete ein Tor vor.

Auch wenn momentan Türpitz und nicht Spieler wie Beck oder Ludwig im Rampenlicht stehen, bleibt der Hochgelobte bescheiden und verweist lieber auf seine Mitspieler und das Umfeld: „Es sind nicht nur die 25 Spieler, sondern auch das Trainerteam, die Physiotherapeuten und die Fans – der ganze Verein hält zusammen und das merkt man dann auch auf dem Platz. Die Stimmung gegen Rostock war wieder unfassbar und das reißt uns natürlich mit.“ Seinen Marktwert von 300.000 Euro (transfermarkt.de, Stand: 14. August 2017) dürfte er zuletzt noch mal erhöht haben.

In diesem Zusammenhang betont der Ex-Chemnitzer auch noch mal, wie wichtig die Spieler sind, die von der Bank kommen. „Die Spieler, die nicht von Beginn an dabei waren, sind trotzdem extrem wichtig. Sie halten die Qualität intern sehr hoch. Momentan kann man spielen lassen, wen man will – jeder kann Tore schießen oder vorbereiten. Dieser interne Zusammenhalt macht uns so stark.“

45 Punkte bleiben das erste Ziel

Nach sechs Liga-Siegen in Folge und der einminütigen Tabellenführung am Sonnabend, nachdem Paderborn in Würzburg zwischenzeitlich das 2:2 kassiert hatte, könnte man trotz der noch jungen Saison in Versuchung geraten, über ein mögliches neues Ziel wie den Aufstieg zu sprechen. Türpitz lässt sich aber noch nicht aus der Reserve locken. „Uns interessiert momentan nicht, ob wir Erster oder Zweiter sind. Wir möchten so lange wie möglich da oben bleiben und so schnell wie möglich 45 Punkte holen“, sagte er. „Es ist zwar immer das Gleiche, was ich sage. Das werde ich aber auch in zwei oder drei Wochen genau so wieder sagen.“