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22.02.2019 Bild

Baumgart: „Bei uns ist immer Feuer auf der Platte“

Überraschung: Das Aufsteiger-Duell Magdeburg gegen Paderborn (Sonntag (14 Uhr) ist auch das Spiel der beiden besten Zweitligateams 2019!

Magdeburg ungeschlagen (10 Punkte), Paderborn mit drei Siegen, zuletzt gegen Köln das irre 3:2 nach 0:2. SCP-Trainer Steffen Baumgart (47) über den Gegner: „Dass sich Magdeburg irgendwann fängt, war mir klar. Sie hätten auch schon 4 oder 5 Punkte mehr haben können, die Ergebnisse waren auch unter Jens Härtel oft knapp. Es wird ganz schwer – es ist ja bekannt, was in dem Stadion los ist, welche Wucht da kommt.“

Während sich der FCM aus dem Keller befreit, arbeiten sich die Westfalen sogar Richtung Spitze (Fünfter).

Auch ein Verdienst des Ex-Bundesliga-Profis Baumgart (Hansa, Cottbus). Der machte schon beim Berliner AK Ballett (2016 Regionalliga-Zweiter). Bekam – selbst für ihn überraschend – im April 2017 den Job in Paderborn, damals Drittliga-Vorletzter. Baumgart verlor kein Spiel mehr, der Klub blieb (durch Lizenz-Entzug von 1860 München) drin.

Weiter steil nach oben: Der Fast-Absteiger steigt im Jahr darauf in die 2. Liga auf, sorgt auch dort für Wirbel.

BILD durchleuchtet Erfolgstrainer Baumgart.

Wann entschloss er sich, Trainer zu werden? Er klärt auf: „Das war schon immer klar. Mein Ziel war früher, überhaupt ein Zweitligaspiel als Spieler zu machen – denn dann konnte man einfacher den Trainerschein machen.“ Den ersten bestand er 1994 in Parchim.

Wie der Trainer Baumgart vom Spieler Baumgart profitiert? „Vor allem durch eine Sache: Schon als Spieler hat man mir immer gesagt, was ich alles nicht kann. Ich habe dann gedacht: Wollen wir doch mal sehen! Dadurch kam ich vielleicht auch zu diesem Image, dass ich immer hart arbeite, nie aufgebe. Das ist auch als Trainer mein Antrieb.“ Als es hieß, Baumgart könne nur kurzfristig über Emotionen motivieren oder in der 2. Liga müsse Paderborn seinen offensiven Spielstil ändern, setzte der Trotz ein.

Die Fakten: Baumgarts Punkteschnitt nach 65 Spielen liegt bei 2,02 pro Partie! Kein Zweitligateam traf öfter als Paderborn (53 Tore). Wie schon im Vorjahr (90 Tore).

Einfache Erklärung von Ex-Stürmer Baumgart: „Ich finde alles andere einfach langweilig. Mit 1:0-Verschiebebahnhof-Fußball kann ich nichts anfangen. Bei uns ist immer Feuer auf der Platte.“

Die Mischung aus Mecklenburger Sturheit, Selbstvertrauen, Bodenständigkeit und eigener Profi-Erfahrung kommt gut an.

Ex-Spieler Robin Krauße (24/jetzt Ingolstadt): „Er ist ein ehrlicher Typ, hat eine gute Ansprache an die Mannschaft. Mal Zuckerbrot, mal Peitsche. Für Außenstehende wirkt er vielleicht kühl und nicht so nett, aber er ist herzensgut, mit trockenen Sprüchen.“

Paderborns Kader besteht zu einem Großteil aus Kickern, die woanders aussortiert oder lange unterm Radar waren. Baumgart: „Wir suchen nach Fähigkeiten, nicht nach Namen. Der Name kommt dann von selbst.“ Wieder greift sein Jetzt-erst-recht-Prinzip: „Ritter, Klement, Zingerle, Zolinski und andere haben bei ihren Ex-Klubs oft gehört, was sie alles nicht können. Ich sage ihnen, was sie können. Ich rede nicht von Fehlern, sondern von Möglichkeiten.“

Paderborner Erstliga-Phantasien werden abgetan. „Wir sind bodenständig und wissen, wo wir herkommen. Wir träumen nicht – wir machen.“ Aber will er nicht selbst in die Bundesliga? Zurück in die Stadien, in denen er einst kickte? Baumgart: „Ich möchte so lange wie möglich erfolgreich als Trainer arbeiten. Da ist es mir egal, in welcher Liga. Wenn du gut arbeitest, kommt der Rest von allein.“