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11.04.2019 1.FC-Magdeburg.de

„Blau-Weiß interviewt“ mit Björn Rother

„Niemand hat mit dem Finger auf jemanden gezeigt, wenn mal was nicht geklappt hat.“

Nach dem Aufstieg im ersten Jahr beim 1. FC Magdeburg sammelte Björn Rother in den zurückliegenden Partien reichlich Erfahrung in Liga 2. Zuletzt rückte er aus dem defensiven Mittelfeld auf die Außenbahn und konnte gegen die SG Dynamo Dresden seinen ersten Saisontreffer markieren. Im Interview spricht der 22-Jährige über die Kultur in seiner Heimat und sein enges Verhältnis zu Bruder Jan. Wie geschlossen die Mannschaft in einer schwierigen Phase zusammensteht, erklärt er mit einer tiefen Überzeugung.

Welche Erinnerungen hast du an deine Jugendzeit bei Alemannia Aachen?

Sehr gute Erinnerungen. Ich war schon von klein auf Fan des Klubs. Meine Eltern haben mich häufig mit ins Stadion mitgenommen, damals noch auf dem alten Tivoli. Zudem hat auch mein Bruder dort gespielt und deswegen hat’s mich auch erstmal dorthin gezogen. Es war eine schöne Zeit und ich hoffe, dass der Verein irgendwann auch mal wieder in den oberen Ligen auftaucht.

Damals warst du Balljunge, als Lewis Holtby in Aachen spielte. Nun spielt ihr in derselben Liga. Wie beschreibst du deine Entwicklung?

Das ist ein bisschen verrückt. In der Jugend habe ich auf öfters gegen seinen Bruder gespielt. Jetzt spielen wir gegeneinander, das ist ein witziges Gefühl, da ich ihm früher noch die Bälle zugeworfen habe. Ich glaube, das zeigt, dass meine Entwicklung ganz gut gewesen sein muss. Holtby hat jetzt schon lange Jahre Profifußball gespielt und ist immer noch auf einem sehr guten Niveau. Es ist schön, mit solchen Leuten in einer Liga zu spielen, das zeigt auch die Qualität der gesamten Liga.

Inwiefern erfährst du Unterstützung aus deiner Heimat auf deiner sportlichen Laufbahn?

Mit meinen Eltern telefoniere ich eigentlich jeden Tag, weil sie immer wissen wollen was los ist und gerade in der jetzigen Situation auch helfen wollen. Mit meinem Bruder habe ich sowieso viel Kontakt. Auch meine Freunde schreiben mit immer, wenn ein Spiel vorbei ist oder neulich, als ich auch mal ein Tor gemacht habe. Das freut mich natürlich. Es ist schön zu wissen, dass das kleinere Dorf, wo ich herkomme, voll mitfiebert und alles verfolgt. Meine Eltern schaffen es manchmal kaum, sich zu erinnern, von wem sie die vielen Grüße an mich richten sollen.

 

„Mein Bruder ist mein großes Vorbild in meinem Leben.“

 

Wie eng ist dein Verhältnis zu deinem Bruder Jan?

Sehr eng. Von klein auf haben wir eigentlich alles zusammen gemacht, obwohl er etwas älter ist. Er hat mich immer überall mithingenommen. Gerade in einem Alter von 12 oder 13 war es schon cool, etwas mit Älteren zu machen. Irgendwann kamen auch die Zeiten, wo man mal zusammen weggehen konnte. Natürlich hat uns auch der Fußball immer verbunden. Wir saßen nie viel zu Hause rum, sondern waren jeden Tag auf dem Bolzplatz. Ich brauche keine großen Fußballer als Vorbild, mein Bruder ist mein großes Vorbild in meinem Leben.

Wie schwer fiel dir die Umstellung vom Mittelfeldspieler zum Außenverteidiger?

Das ich nicht so leicht, plötzlich auf der Außenbahn zu spielen. Die Aufgaben unterscheiden sich schon von denen im Mittelfeld. Ich glaube, das schwierigste ist, dass ich außen viel mehr sprinten muss, das ist eine andere Belastung. Im Mittelfeld konnte ich sehr viel laufen. Nun musste ich vielleicht nicht ganz so viel laufen, aber häufiger im höchsten Tempo. Auch die taktische Umstellung kommt hinzu, aber ich denke, bis jetzt läuft es ganz gut.

Bereits in Bremen hattest du die Rückennummer 6. Hat die Ziffer eine Bedeutung für dich?

Eigentlich hatte ich ja immer die 8, weil diese Zahl meine Glückszahl ist. Damals in Bremen habe ich mich aber nicht direkt getraut, nach einer Nummer zu fragen, sodass mit die 6 angeboten wurde. Das ist nun so geblieben, weil ich mit der Nummer eigentlich ganz gut gefahren bin. Meine eigentliche Position ist ja auch die „Sechs“, von daher passt das schon.

 

„Das hat gezeigt, dass der Club geschlossen zusammensteht.“

 

Wie oft besuchst du außerhalb des Mannschaftstrainings das Fitnessstudio?

In den Phasen zu Beginn des Jahres, in denen ich weniger gespielt habe, war ich sehr oft mit meiner Freundin oder Mannschaftskollegen da, weil auch die Belastung etwas gefehlt hat. Wenn man ein Spiel in den Knochen hat, fällt einem der Gang ins Studio nicht so leicht.

In Dresden ist dir das erste Zweitligator für den Club gelungen. Was war das für ein Gefühl, vor dem ausverkauften Gästeblock zu treffen?

Das war wirklich unbeschreiblich. Normalerweise treffe ich ja auch nicht so oft, aber auf der Außenposition konnte ich mal öfter vorrücken. Im ersten Moment wusste ich gar nicht recht, was ich machen soll. Dann habe ich mich entschieden, relativ cool zu bleiben und die ganzen Emotionen von den Fans auf mich einprasseln zu lassen. Das war ein schönes Gefühl, als auch noch die Jungs dazukamen. Das hat gezeigt, dass der Club geschlossen zusammensteht und alle auf einer Wellenlänge agieren.

 

„Es war für mich eine große Ehre, dass ich hierherkommen durfte.“

 

Welche Bedeutung hat es für dich, für einen Traditionsverein, wie den 1. FC Magdeburg, aktiv zu sein?

Eine sehr große Bedeutung. Ich komme aus einem Dorf und hatte schon immer eine enge Verbindung zu solchen Vereinen, zu denen ich auch Alemannia Aachen zähle. Schon in der 3. Liga waren die Spiele gegen Magdeburg für uns als Bremer Spieler schon ein Highlight. Demnach war es für mich eine große Ehre, dass ich hierherkommen durfte. Mir war klar, dass es hier nicht leicht wird, aber ich denke, dass es uns im letzten Jahr gut gelungen ist, die Erwartungen zu erfüllen. Das ist auch definitiv noch die Aufgabe für dieses Jahr.

Wer kocht öfter – du oder deine Freundin? Und was gibt es am häufigsten?

Meistens koche ich. Meine Freundin muss oft lange arbeiten und dann wär’s natürlich unfair von mit, wenn sie sich dann noch an den Herd stellen müsste. (lacht) Wir haben zum Glück einen Thermomix, damit geht es ein bisschen leichter, denn ich bin auch nicht der brillanteste Koch. Am häufigsten gibt es Chili con Carne, das ist das Lieblingsgericht meiner Freundin und ich esse es auch sehr gerne.

 

„Die Erwartungen zu erfüllen, ist definitiv auch noch eine Aufgabe für dieses Jahr.“

 

Du hast eine besondere Verbindung zur Stadt Köln? Wie viel „Kölsche Jung“ steckt in dir?

Die Verbindung kommt hauptsächlich durch den Karneval. Bei uns zu Hause redet man auch viel Plattdeutsch. Bei uns ist es Oecher Platt, das ist sehr ähnlich zum kölschen Dialekt. Wenn man von klein auf zum Karneval geht und die Lieder in- und auswendig kennt, ist die Verbindung einfach groß. Die Kultur aus meiner Heimat habe ich sehr gern.

Wie vertreibst du dir die Zeit bei langen Auswärtsfahrten im Mannschaftsbus?

Ich schaue mir meist etwas auf meinem Tablet an, ob es nun Filme oder Serien auf Streaming-Plattformen sind. Ab und zu mache ich auch was für meine Weiterbildung. Manchmal setzte ich mich im Bus auch nach hinten zu Christian oder Dennis und quatsche mit denen übers Spiel oder Sonstiges.

Was zeichnet in deinen Augen eine funktionierende Mannschaft aus?

Das, was man auf dem Platz sieht. Jeder von uns macht mal Fehler, vielleicht auch mal einen gravierenderen. Es ist wichtig, dass wir da geschlossen sind, was wir als Mannschaft auch sind. Niemand hat mit dem Finger auf jemanden gezeigt, wenn mal was nicht geklappt hat. Wir versuchen es immer, das als Mannschaft aufzufangen. Wenn mein Nebenmann ein Fehler macht, bin ich da. Genauso wird auch hinter mir aufgeräumt, wenn ich mal einen mache.

Mit welchen Eigenschaften kannst du der Mannschaft im Kampf um den Klassenerhalt helfen?

Mit einer gewissen Lockerheit unter der Woche. Wenn’s dann Richtung Spiel geht, kommt natürlich die Spannung auf und der Siegeswille ist da. Das versuche ich an die Mannschaft weiterzugeben. Ich gehe meistens auch mit dem Gefühl ins Spiel, dass wir es gewinnen werden. Ich glaube, das kann ich auf die Mannschaft transportieren.

Du bist großer Fan des Dartsports. Wie oft spielst du selbst und wann geht’s das nächste Mal ins Ally Pally nach London?

Ich war vor zwei Jahren dort. Wir hatten eine kleine Männertour daraus gemacht und uns einen Bulli gemietet. Das war ein Super-Erlebnis, live dabei gewesen zu sein. Das würde ich auch gern wieder tun. Selber kann ich momentan leider nicht spielen. In meiner alten Wohnung hatte ich noch eine Scheibe hängen, dort wurde aber ab und zu auch mal die Wand getroffen, das wollte ich in meiner neuen Wohnung nicht riskieren. 

 

Das Video-Interview befindet sich auf dem offiziellen YouTube-Kanal des 1. FC Magdeburg bei „Einmal-Immer.TV“.