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18.05.2019 Volksstimme

Wende: Türpitz könnte doch beim FCM bleiben

Der 1. FC Magdeburg steht nach dem Abstieg vor einem Umbruch. 14 Spieler gehen. Doch bei Philip Türpitz deutet sich eine Wende an.

Magdeburg l Diese Verabschiedungs-Zeremonie wird einige Zeit in Anspruch nehmen vor dem Saisonfinale des 1. FC Magdeburg am Sonntag (15.30 Uhr) gegen den 1. FC Köln. Neben Trainer Michael Oenning verlassen gleich 14 Spieler den Verein (siehe Abschied von Trainer und Spielern). Heißt: Das Gesicht des FCM wird sich in der 3. Liga gravierend verändern. Die Volksstimme gibt einen Überblick über die Ausgangslage und die Stoßrichtung der Neuausrichtung.

Finanzen

Die gute Nachricht zuerst: Der Club steht finanziell sehr gut da. Mario Kallnik hat es seit seinem Amtsantritt 2012 geschafft, den Verein zu entschulden und ein Eigenkapital von fast eineinhalb Millionen Euro aufzubauen. „Wir werden auch das aktuelle Jahr mit einem Gewinn abschließen“, betont der Geschäftsführer. Nach Steuern werden rund zweieinhalb Millionen Euro übrigbleiben.

Wobei Kallnik durchaus ahnt, dass ein solch großes Plus auch die Frage aufwirft, warum nicht noch mehr Geld in einen noch stärkeren Zweitliga-Kader geflossen ist. Der Geschäftsführer stellt aber klar: „Wir haben in der abgelaufenen Saison jeden Transfer realisiert, den wir realisieren wollten.“ Heißt, des Geldes wegen gab es keinen Korb. „Absagen kamen lediglich mit der Begründung einer besseren sportlichen Perspektive.“

Die Mannschaft

Auch hier zeichnet sich eine unerwartet gute Nachricht ab. Die Chancen auf eine Vertragsverlängerung von Philip Türpitz stehen offensichtlich deutlich besser als gedacht. „Philip hat signalisiert, dass er sich vorstellen kann, auch in der 3.  Liga beim FCM zu bleiben. Wir führen gerade Gespräche“, erklärt Kallnik.

Grundsätzlich setzt der Club für den Neuaufbau auf einen Grundstock von zehn Spielern: Alexander Brunst, Tobias Müller, Timo Perthel, Björn Rother, Rico Preißinger, Charles Elie Laprévotte, Marcel Costly, Manfred Osei Kwadwo, Marius Bülter und Christian Beck.

Zwar werden gerade Müller und Bülter von anderen Vereinen umworben, doch nach Volksstimme-Informationen hat sich die Vereinsführung intern klar positioniert, dass die Spieler nur gegen eine entsprechend hohe Ablöse gehen dürften. Die Schmerzgrenze liegt wohl jenseits einer Million Euro.

Transfer-Philosophie

Zum genannten Grundstock will der Verein ein bis zwei gestandene Spieler holen, ansonsten liegt der Fokus auf jungen und erfolgswilligen Kickern, die den Konkurrenzkampf erhöhen und spielerische Akzente setzen können. „Wir haben klare Vorstellungen und stehen in Gesprächen mit potenziellen Neuzugängen“, sagt Kallnik noch vage.

Eine Änderung zu den Zweitliga-Planungen im vergangenen Sommer wird es aber geben: Wie schon in der vergangenen Winterpause haben Kallnik und Sportchef Maik Franz das letzte Wort bei allen Neuverpflichtungen. Unter Jens Härtel war es noch der Trainer, der final den Daumen senkte oder hob.

„Die Transferbilanz in diesem Jahr war statistisch nicht schlechter als die der Vorjahre“, sagt Kallnik. „Allerdings war der Großteil des Kaders nicht mehr so entwicklungsfähig, wie wir es uns gedacht hatten. Viele etablierte Spieler hatten Probleme, sich an die 2. Liga zu gewöhnen.“

Was er meint: Mit Preißinger, Bülter, Müller, Aleksandar Ignjovski, Jan Kirchhoff, Giorgi Loria und Perthel gab es sieben Neuzugänge, die überzeugten. Dem gegenüber standen mit Manfred Osei Kwadwo, Joel Abu Hanna, Romain Brégerie, Jasmin Fejzic, Mergim Berisha und Steven Lewerenz sechs neue Spieler, die den Durchbruch nicht schafften.

Problematisch: Mit Berisha, Lewerenz und Kwadwo fanden sich drei Offensivspieler nicht zurecht. Die Schwächen im Sturm begleiteten den FCM durch die ganze Saison.

Neuer Trainer

Da der FCM den auslaufenden Vertrag mit Trainer Michael Oenning nicht verlängern wird, sucht der Verein einen Nachfolger. „Wir führen derzeit Gespräche und wollen eine Entscheidung bis Ende kommender Woche“, erklärt der FCM-Geschäftsführer.

Das Anforderungsprofil: „Der neue Trainer muss gut kommunizieren, akribisch an der Entwicklung der Mannschaft sowie der Spielphilosophie arbeiten und teamfähig sein“, erklärt Kallnik. „Wichtig ist, dass wir unsere bisherige Spielphilosophie weiterentwickeln. Wir müssen weiterhin auf Pressing setzen, dürfen aber den unter Michael Oenning eingeschlagenen Weg der spielerischen Linie weiter ausbauen.“

Ins Profil könnten Trainer wie Mark Zimmermann (zuletzt Jena), Ismail Atalan (Lotte) oder Dirk Schuster (zuletzt Darmstadt) passen.

Abschied von Trainer und Spielern

Der Sonntag wird ein Tag des Abschieds in der MDCC-Arena. Der 1. FC Magdeburg wird Trainer Michael Oenning und 14  Spieler verabschieden:
Giorgi Loria, Mario Seidel, Steffen Schäfer, Romain Brégerie, Christopher Handke, Nils Butzen, Jan Kirchhoff, Richard Weil, Joel Abu Hanna, Steven Lewerenz, Felix Lohkemper, Aleksandar Ignjovski und Dennis Erdmann. Auch Leon Heynke (ausgeliehen nach Halberstadt) wird nicht zurückkehren.

Ignjovski hätte der Verein gern gehalten, sein Vertrag galt aber nur für die 2. Liga. Dennis Erdmann zieht es offenbar ins Ausland. Der Abwehrspieler sagte, dass er gerne mal in England spielen möchte. „Wir hatten Dennis vor einigen Wochen ein Angebot gemacht, das für die 2. und 3. Liga gültig war. Dennis plant aber einen anderen Weg für sich“, sagt FCM-Geschäftsführer Mario Kallnik. „Entsprechend planen wir nicht mehr mit ihm für unseren Neuaufbau.“