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12.03.2020 1.FC-Magdeburg.de

„Blau-Weiß interviewt“ Sirlord Conteh

„Man hat auch mal geheult.“

Bescheiden und bodenständig präsentiert sich Sirlord Conteh vor Kameras und Mikrofonen – so auch bei „Blau-Weiß interviewt“, wo der Sommerneuzugang über seine fußballerische Vergangenheit, das Verhältnis zu Familie und Mannschaftskameraden sowie seinen Start in die Saison spricht. Des Weiteren blickt der 23-Jährige auf seinen gelungenen Einsatz im Heimspiel gegen Jena zurück und schaut hoffnungsvoll auf seine weitere Entwicklung.

 

Sissi, nach einem halben Jahr in Magdeburg – wie fühlst du dich hier in der Stadt?

Ich habe mich sehr gut eingelebt in Magdeburg. Der Anfang war ein bisschen schwer, da ich nur Brian Koglin kannte und auch eher ein schüchterner Mensch bin, der erst etwas auftauen muss. Ich habe dann aber auch schnell die anderen Jungs und die Umgebung kennengelernt und eine eigene Wohnung bezogen.

 

Du bist in Hamburg geboren und aufgewachsen: wie waren deine familiären Verhältnisse und wie blickst du auf deine Kindheit zurück?

Ich bin mit meinen Eltern und drei Geschwistern aufgewachsen. Für Mama war es bestimmt manchmal eine Herausforderung mit vier Jungs. Wie es mit Geschwistern so ist, haben wir uns auch ab und zu gezankt aber an sich haben wir uns immer super verstanden. Meine Eltern waren auch immer bei jedem Spiel und jeder Schulveranstaltung da.

 

Kannst du dich an das allererste Mal erinnern, als du einen Ball am Fuß hattest? Wie hast du das Fußballspielen für dich entdeckt?

Beim allerersten Mal war mein Vater mit mir und meinem Bruder auf dem Bolzplatz und hat uns ein paar Sachen gezeigt, da war ich etwa fünf Jahre alt. Er war früher in Ghana auch leidenschaftlicher Fuballer, hatte aber einen Kreuzbandriss, weshalb er aufgehört hat. Mit sechs bin ich dann dem TSV Wandstal beigetreten und war Teil einer Mannschaft.

  

Konnte man damals schon erkennen, dass aus dir mal mehr als ein Amateurkicker wird?

Das weiß ich gar nicht. Uns ging es immer darum, dass man Spaß hat. Wenn man mal verloren hat, hat man aber auch mal geheult, weil man unbedingt gewinnen wollte. Das zeigt vielleicht, wie ernst es mir aber doch war. Ich hatte auch immer diesen Traum, dass aus mir mal ein Profifußballer wird und daran habe ich festgehalten.

 

Du hattest einen schwierigen Start in dein erstes Drittligajahr und wurdest anfangs nur selten berücksichtigt. Wie bist du mit der Situation umgegangen?

Ich habe schon erwartet, dass ich erstmal etwas kürzertreten werde und mich rantasten muss. Ich wollte auch eher, dass die Mannschaft gewinnt, aber natürlich hat man sich manchmal geärgert, dass man nicht reingebracht wurde. Gegen Meppen habe ich meine Chance bekommen und versucht sie gut zu nutzen. Mein erstes Heimspiel gegen 1860 München war auch ein besonderes Erlebnis vor den Fans.

 

In Braunschweig hattest du eine Chance in der Startelf bekommen, jedoch schon früh eine unnötige Rote Karte bekommen. Meinst du, dass du aus dieser Situation gelernt hast?

Auf jeden Fall habe daraus gelernt, da sind mir einfach die Sicherungen geplatzt. Eigentlich bin ich kein Spieler, der sowas macht, aber durch viel Stress zu Hause habe ich damals überreagiert. Mit dem Stress meine ich, dass es für mich und meine Familie eine schwere Zeit war, da mein Vater noch immer im Krankenhaus liegt, aber ihm geht es schon wieder besser.



Geschwindigkeit und Beweglichkeit sind seine Waffen, an Technik und Torabschluss will „Sissi“ weiterhin hart arbeiten.

 

Wo siehst du dich eher: offensive Außenbahn oder ganz vorne drin?

Ich bevorzuge die Stürmerposition, da ich dort mehr Räume habe, meine tiefen Laufwege eher gehen kann und da auch einfach viel gefährlicher bin. Das hat man die letzten Spiele auch gesehen. Bei St. Pauli war ich auch Stürmer und war am Ende einer der besten Torschützen der Liga.

 

Wie ergänzt du dich mit Christian Beck im Angriff?

Es fühlt sich gut an, wir verstehen uns gut. Meine Stärken sind die Laufwege und wir können beide dem Gegner Druck machen. Ich spekuliere auch darauf, dass er mir die Bälle verlängert und ich mit Tempo in die Räume laufen kann. Beckus kann die Bälle gut festmachen und ist eher einer, der die Bälle auf den Fuß gespielt bekommt und sie dann klatschen lässt. Mir werden die Bälle eher in den Lauf gespielt.

 

Würdest du sagen, dass du vom Trainerwechsel im Winter profitiert hast?

Ich glaube schon, dass Pele Wollitz mehr auf mich setzt und mich weiterentwickeln möchte. Er hat mir zuletzt auch viel Selbstvertrauen gegeben, nun will ich ihm das zurückgeben. Es war auch ein gutes Signal vom Trainer, dass bei ihm jeder bei null anfängt.

 

Einer deiner engsten Kontakte ist Brian Koglin, ihr spielt schon lange zusammen. Wie würdest du deine Beziehung zu ihm beschreiben?

Wir haben uns mit 13 bei einer DFB-Auswahl im Bereich Hamburg kennengelernt. Ich bin ein Jahr nach ihm zu St. Pauli gekommen, da haben wir uns dann auch gut verstanden. Hier ist er auch noch einer meiner ersten Ansprechpartner, aber ich verstehe mich auch mit den anderen Jungs richtig gut.

 

„Die Mannschaft hat es mir richtig gegönnt.“

 

Gegen Jena hast du in 24 Minuten ein Tor vorbereitet und deine ersten beiden Tore für den FCM geschossen. War das ein echter Sahnetag?

Auf jeden Fall. Uns war es wichtig, dass wir das Spiel gewinnen und man hat gemerkt, dass sich jeder richtig reingehauen hat. Nach fünf Minuten habe ich den Elfmeter rausgeholt und vor Selbstvertrauen gestrotzt. Ich wollte unbedingt noch ein Ding machen, zunächst war aber Beckus dran und dann durfte auch ich treffen.

 

Wie ist es, vor 17.000 Fans zu jubeln?

Das war ein super Gefühl, da es auch meine ersten beiden Tore waren. Die Mannschaft von der Bank kam ja dann auch zu mir und alle haben sich für mich gefreut. Die haben es mir richtig gegönnt und dafür bin ich sehr dankbar. Der Rückhalt in der Mannschaft ist generell super, auch nach dem München-Spiel meinten die Kollegen, ich solle so weitermachen und werde schon noch treffen. Die haben mich richtig gepusht und mir Selbstvertrauen gegeben und dann hat es geklappt.

 

Deine Waffe ist die Geschwindigkeit. Worin willst du dich fußballerisch noch verbessern?

Im Abschluss will ich besser werden und mich mehr ins Eins-gegen-Eins trauen. Ich will auch mal Beckus‘ Part übernehmen, den Ball festzumachen und den Ball verteilen. Auf diese Sachen werde ich mich jetzt in den nächsten Wochen im Training konzentrieren.

 

Dein Bruder Christian Conteh ist ebenfalls ein schneller Offensivspieler und spielt beim FC St. Pauli. Wie eng ist euer Kontakt?

Wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Er fragt mich jedes Mal, wie er sich verbessern kann. Als er vor ein paar Wochen wegen Wechselgerüchten in der Presse war, rief er mich direkt an und fragte nach Hilfe. Da merkt man, dass er mir vertraut, weil ich der ältere Bruder bin. Wir helfen uns immer gegenseitig und tauschen uns über unsere Spiele aus. Wenn ich mal frei habe, bin ich oft in Hamburg, um ihn zu sehen. Einmal war er auch schon hier bei mir und hat sich die Stadt angeschaut.

 

Wie würdest du das Verhältnis zwischen Fans und Mannschaft hier beim 1. FC Magdeburg beschreiben?

Es ist ein sehr gutes Verhältnis hier. Die Fans stehen voll hinter uns und fahren auch jedes Mal in großer Zahl zu Auswärtsspielen, was ich beeindruckend finde. Man merkt auch, dass Magdeburg eine richtige Fußballstadt ist. Nach den Spieltagen sind die Fans noch mehrere Stunden da, das ist nicht selbstverständlich. Es ist eine schöne Form der Wertschätzung, auf der Straße nach Fotos oder Autogrammen gefragt zu werden, das ist ein angenehmer Umgang.

 

Deine ersten Treffer hast du nun erzielen können, was sind deine nächsten Ziele?

Ich will wieder treffen und vorlegen, um Erfolg mit dem Team zu haben. Ich habe definitv Hunger auf mehr Tore nach dieser Leistung, aber das wichtigste ist jetzt, dass wir die Spiele gewinnen.

 

Auf uns warten noch viele wichtige Spiele. Wie wollen wir es schaffen, in einen positiven Flow zu kommen, um uns von den unteren Plätzen zu entfernen?

Wir müssen jede Trainingswoche gut annehmen und hart arbeiten, uns auf den Gegner vorbereiten und immer mit großer Lust antreten. Vor allen Dingen wollen wir unsere Heimspiele nutzen, die sind immer etwas Besonderes.

 

In drei Worten: was macht Fußball für dich aus?

Spaß – Leidenschaft – Teamgeist.

 

Fotos: Sportfotos Magdeburg