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15.05.2020 Volksstimme

FCM kontert Koch-Kritik

Der 1. FC Magdeburg wirft in einem offenen Brief DFB-Vizepräsident Rainer Koch vor, dass der Verband Grenzen überschritten hat.

Magdeburg l Mario Kallnik und Peter Fechner mussten sich beherrschen. Nachdem der Geschäftsführer und der Präsident des 1. FC Magdeburg von den Aussagen von Rainer Koch, Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), erfuhren, blieb ihnen fast die Stimme weg.

Harte Worte von Koch

Denn Kochs Statement am Mittwochabend hatte es in sich: Ein Teil der Drittligavereine betreibe ein „Schauspiel, das unwürdig und nicht länger hinnehmbar“ sei. Außerdem müssten die Befürworter eines Drittliga-Saisonabbruchs, zu denen auch der 1. FC Magdeburg gehört, endlich Vorschläge liefern, wie es nach einem Abbruch weitergehen solle.

Spätestens an diesem Punkt war das Fass für Kallnik und Fechner übergelaufen. Beide stimmten sich mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Lutz Petermann ab – gemeinsam wurde am Donnerstag-Nachmittag auf der Vereins-Homepage ein offener Brief veröffentlicht, in dem der FCM zu den Koch-Vorwürfen Stellung bezog. „Mit Ihren Aussagen stellen Sie unter anderem den 1. FC Magdeburg, neben vielen anderen Vereinen, öffentlich in eine Ecke, in die wir nachweislich nicht gehören“, heißt es in dem Schreiben.

Hygienekonzept: DFB könnte Lizenz entziehen

Dass der DFB-Vizepräsident Vereine kritisiere, die sich an die geltenden Gesetze und Verfügungen halten, und diese „als problemorientiert Denkende oder für Probleme sorgende Vereine darstellt, sorgt für großes Unverständnis und lässt uns fassungslos zurück“.

Auch wird in dem FCM-Brief deutlich, dass den Drittligisten am 13. Mai offenbar mitgeteilt wurde, dass das umstrittene Hygienekonzept in die Durchführungsbestimmungen aufgenommen wurde.

Heißt: Wenn das Hygienekonzept nicht wie gefordert umgesetzt wird, drohen den Vereinen sportrechtliche Konsequenzen wie beispielsweise ein Lizenzentzug. „Obwohl Kenntnis darüber besteht, dass viele Vereine in der 3. Liga das umfangreiche Konzept ... zeitnah kaum umsetzen können“, wie im Schreiben betont wird.

DFB bei Abbruch-Alternativen gefordert

Bezogen auf einen möglichen Saisonabbruch überraschte Koch am Mittwoch mit seiner Forderung, dass die Vereine endlich Vorschläge für Alternativ-Lösungen machen müssten. Dabei hatte beispielsweise Kallnik bereits Vorschläge eingebracht. Deshalb nahm der Club den DFB in die Pflicht: „Es liegt grundsätzlich in der Verantwortung des DFB selbst, Lösungen für einen potentiellen krisenbedingten Abbruch der Saison transparent aufzuzeigen.“ Bis auf eine Aussetzung der Drittligaspiele, um Regressansprüche des Verbandes zu vermeiden, seien bisher keine anderweitigen Lösungswege vom DFB-Präsidium selbst aufgezeigt und ernsthaft diskutiert worden.

Fakt ist: Der DFB hatte die Saison-Fortsetzung anfangs als alternativlos bezeichnet. Auch jetzt wurde nur darüber gesprochen, wann es weitergehen könnte. Ein konkretes Szenario im Falle eines Saisonabbruchs wurde vom DFB hingegen nie öffentlich vorgestellt oder diskutiert.

Rahmenterminkalender eigentlich hinfällig

Dass dies zwingend notwendig gewesen wäre und immer noch ist, wird bei einem Blick auf den geplanten Re-Start deutlich. Der Rahmenterminkalender, der ab 26. Mai gelten soll, ist nämlich eigentlich hinfällig, da in Sachsen-Anhalt (27. Mai) und Thüringen (5. Juni) Mannschaftstraining und Wettkampfbetrieb untersagt sind.

Kritisch wäre die Lage auch, wenn sich ein Spieler infizieren sollte und die ganze Mannschaft wie zuletzt Zweitligist Dynamo Dresden in Quarantäne müsste. In der 3. Liga wären Zeitprobleme garantiert. Schließlich will der DFB elf Saisonspiele in knapp fünf Wochen bis zum 30. Juni durchdrücken. Es gibt keinen Puffer, keine Ausweichtermine, weil permanent englische Wochen eingeplant sind.

Dass die Saison möglicherweise im Juli fortgesetzt wird, ist dagegen arbeitsrechtlich höchst umstritten, da viele Spielerverträge am 30. Juni enden. Deshalb appelliert der FCM: „Gerade jetzt in der Ausnahmesituation der Corona-Krise dürfen wir vom DFB Respekt und Fair-Play erwarten.“

Auch Jena und Zwickau wehren sich

Doch nicht nur in Magdeburg war die Empörung groß über die DFB-Verantwortlichen. Der FC Carl Zeiss Jena reagierte ebenfalls mit einem offenen Brief auf die Anschuldigungen – und griff den Alternativ-Vorschlag auf, den Mario Kallnik bereits öffentlich vorgestellt hatte. Demnach soll der Abstieg ausgesetzt und die Liga zur neuen Saison auf 24 Teilnehmer aufgestockt werden. „Ziel muss es sein, das Teilnehmerfeld der 3. Liga mittelfristig auf 22 Mannschaften festzulegen. In der kommenden Saison steigen sechs Mannschaften ab. Ab der Saison 2021/22 wird die Zahl der Absteiger auf fünf reduziert. Dies ermöglicht ab derselben Saison, dass alle Meister der fünf Regionalligen direkt aufsteigen“, heißt es in dem Schreiben.

Der FSV Zwickau, ein weiterer Abbruch-Befürworter, konnte die DFB-Kritik ebenfalls nicht nachvollziehen. „Wir haben in unserem Positionspapier vom 17. April mit sieben anderen Clubs unseren Vorschlag bereits ausführlich beschrieben und zur Diskussion eingebracht“, sagte Vorstandssprecher Tobias Leege.