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11.09.2020 Volksstimme

Hoßmang: "Bin sehr nah dran am Team"

FCM-Trainer Thomas Hoßmang im großen Interview vor dem Saisonstart.

Magdeburg l Vor dem Saisonstart des 1. FC Magdeburg mit dem Pokalspiel gegen den SV Darmstadt am Sonntag um 18.30 Uhr gewährt Trainer Thomas Hoßmang einen Einblick beim Drittligisten.

Volksstimme: Herr Hoßmang, bei einer Trainingseinheit in dieser Woche standen Widerstandsläufe auf dem Programm. Statt daneben zu stehen und Anweisungen zu geben, haben Sie sich selbst das Gewicht umgeschnürt und sind mitgelaufen. Steht das sinnbildlich dafür, wie nah Sie am Team dran sind?

Thomas Hoßmang: Ich habe das auch für mich gemacht (lacht). Es war eine ungerade Zahl in den Gruppen. Damit es reibungsloser lief, habe ich mitgemacht. Wer mich sieht, merkt aber schon, dass ich sehr nah dran bin am Team. Ich versuche immer auf die Spieler einzuwirken.

War es deshalb umso wichtiger, dass Sie nun eine ganze Vorbereitung Zeit hatten, nachdem Sie im Juni erst kurz vor Saisonende neuer Chefrainer wurden?

Diese Zeit ist sehr wichtig, um die vorgegebenen Prinzipien bei den Spielern zu implementieren. Defensiv und offensiv müssen wir gefestigt sein. Es ist schon wichtig, diese Zeit intensiv zu nutzen. Die Vorbereitung war sehr kurz. Wir brauchen deshalb sicher noch ein paar Einheiten, haben in einigen Bereichen noch zu tun. Aber das sollte uns nicht daran hindern, am Wochenende gegen Darmstadt so aufzutreten, alles zu versuchen, dass wir eine Runde weiterkommen.

Sind Sie mit der Vorbereitung und dem aktuellen Stand im Team zufrieden?

Von der Bereitschaft her auf jeden Fall. Aber wir haben immer noch verletzte und angeschlagene Spieler, was natürlich schade ist. Leon Bell Bell und Sirlord Conteh sind Stand jetzt nicht zu 100 Prozent fit.

Sind Sie mit Blick auf die Drittliga-Saison gut gerüstet? Immerhin stehen bis Weihnachten 17 Spiele in gut 14 Wochen an.

Für mich ist es wichtig, dass die Jungs wissen, dass sie eine hohe Verantwortung haben, und alles dafür tun, keine einfachen Verletzungen zu bekommen, weil sie nicht fleißig genug trainieren. Wir müssen Woche für Woche alles geben und werden alle Spieler brauchen.

Das heißt, Sie werden auch viel rotieren?

Alle werden wichtig sein. Es ist gut, einen großen Kader zu haben. So ist es einfacher, mit den Spielern zu reden und ihnen zu erklären, warum sie mal nicht im Kader stehen. Das kann auch mal sein, aber über die Distanz werden wir alle Spieler brauchen.

Nach welchen Kriterien wählen Sie aus, wer in der Startelf steht?

Du brauchst eine gewisse Führungsebene, ich sage immer „Sprechachse“ dazu. Das geht über einen Torhüter, einen Innenverteidiger, das Mittelfeld und einen Stürmer. Sie müssen die Köpfe rausstrecken, wenn es brenzlig wird. Drumherum benötigen wir Jungs, die sich taktisch klug verhalten, wenig Fehler machen und für das Team arbeiten. Dann werden die besten elf Spieler aufgestellt. Da gibt es sicher immer wieder enge Entscheidungen. Diese werden wir dann klar kommunizieren. Das muss der jeweilige Spieler dann auch verstehen und akzeptieren.

Zu der „Sprechachse“ gehören sicher Spieler wie Tobias Müller, Jürgen Gjasula oder Christian Beck. Gibt es für Sie klare Stammspieler?

Es gibt schon Spieler, die höchstwahrscheinlich auflaufen, wenn sie fit sind, klar. Diese Spieler sind wichtig für die ganze Mannschaft, aber auch in der Pflicht, nicht nachzulassen und immer wieder voranzugehen.

Sie haben Christian Beck als Kapitän bestätigt. Wieso ist die Wahl auf ihn gefallen?

Ich hatte mich vor der Saison mit „Beckus“ zusammengesetzt und wir haben uns ausgetauscht. Wir haben die gleichen Ansichten. Er ist fit, übernimmt Verantwortung auf und neben dem Platz und geht vorweg, auch in Stresssituationen. Im Test gegen Wolfsburg hat er zudem sportlich ein Level abgerufen, was uns weiterhelfen wird. Aus diesem Grund gab es für uns als Trainerteam nie eine andere Entscheidung, als ihn wieder zum Kapitän zu ernennen.

Sie haben in der Vorbereitung mal im 4-4-2-, mal im 3-5-2-System spielen lassen. Ist es Ihnen wichtig, da variabel zu sein?

Ja, auch im Spiel wird es immer wieder Änderungen geben, je nach Gegner kann sich die Grundformation ändern. Das System ist aber nur ein Baustein. Wichtig ist für mich, wie wir offensiv gewisse Räume besetzen und wie wir defensiv agieren. Wir müssen bestimmen, wo wir den Gegner hinlenken und eine gewisse Kompaktheit erreichen und Zweikämpfe gewinnen. Dann müssen wir Bälle ergaunern und dem Gegner damit möglichst wehtun.

Unabhängig vom System ist der Torwart. Legen Sie sich auf eine klare Nummer eins fest?

Diese Position ist sensibel, da sollte man sich klar festlegen und demjenigen viel Vertrauen schenken. Wir werden morgen noch einmal mit Morten Behrens und Timon Weiner reden und eine Entscheidung vor dem Pokalspiel treffen.