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14.09.2020 Volksstimme

Stadtschreiber trifft Pokalhelden

Stadtschreiber Jörg Menke-Peitzmeyer traf auf die FCM-Pokalhelden. Nur Jürgen Sparwasser hatte keine Zeit für ihn.

Magdeburg l Die FCM-Spieler vom Europapokal-Sieg 1974 holten am Sonnabend ihr traditionelles Treffen im Gasthof "Zum Lindenweiler" nach, das sie im Frühjahr coronabedingt ausfallen lassen mussten. Die Gunst der Stunde nutzte Jörg Menke-Peitzmeyer, aktueller Magdeburger Stadtschreiber, für ein wenig Tiefenrecherche für sein neues Theaterstück.

Darin macht sich ein zehnjähriger Junge aus dem Westen auf den Weg in die DDR, um ein Autogramm von Jürgen Sparwasser zu ergattern. Der Torschütze beim legendären 1:0 der ostdeutschen Nationalmannschaft gegen das Team aus dem Westen bei der WM 1974 sollte dem Schriftsteller eigentlich Einblick in die damalige Zeit geben. Doch weil ihm offenbar niemand davon etwas gesagt hatte, ließ er den Stadtschreiber stehen und verschwand einfach.

Ohrfeigen von Krügel

Wolfgang „Paule“ Seguin und Ulrich Schulze zeigten sich geselliger und gaben Anekdoten aus ihrer aktiven Zeit zum Besten. So erinnerte sich der Torwart, wie ihm Meistertrainer Heinz Krügel einmal zwei Ohrfeigen verpasste. „Er war Vater und Psychologe und hat Dich richtig motiviert“, sagte er. „Ihr müsst konsequent das Spiel zerstören. Die dürfen keinen Meter kriegen“, ahmte er Krügels Stimme nach.

Paule Seguin erinnerte an die vier Spiele gegen Juventus Turin, unter anderem mit dem legendären Dino Zoff. „Für den Pokalsieg gab es einen Lada und 5000 Ostmark“, sagte er. Als Sparwasser in den Westen floh, wurde Schulze eine Nacht von der Stasi verhört. Ob es Angebote aus dem Westen gab, wollte Jörg Menke-Peitzmeyer wissen. „Klar, hatten wir die“, sagte Seguin. Aus Angst, dass der Familien Schwierigkeiten bekommen, habe man die aber nicht angenommen. „Das kannst du gar nicht alles erzählen“, meint er. „Das glaubt dir heute auch keiner“, ergänzte Uli Schulze.

Irre Geschichten

Für den Autor, selbst großer Fußballkenner, war das Treffen mit den Pokalhelden trotz des Fehlens von Sparwasser ein Höhepunkt seiner Zeit in Magdeburg, die bereits in zwei Wochen endet. „Das sind ja irre Geschichten. Was für Interna man da erfährt“, freute er sich.

So viel sei verraten: Anders als für den Autor gibt es für den Jungen in dem Theaterstück ein Happyend. Er hält schließlich das ersehnte Autogramm von Torschütze Sparwasser in den Händen. Eine Kostprobe davon gibt es am kommenden Sonnabend, 19. September, bei der Abschiedslesung von Jörg Menke-Peitzmeyer im Schauspielhaus. Auszüge aus dem Stück werden dabei gelesen.